Hausdurchsuchung aufgrund Ermittlungsfehler.

Notiert am 16. January 2015 · Kategorie: Aufreger, Casa di Storbeck · 2697 Mal gelesen

Kurz & Knapp:

Heute morgen wurden Räume unseres Hauses durchsucht, da die hiesige Polizei/der Richter bei der Suche nach einem gestohlenen iPhone den Eigentümer einer Sim-Karte ermittelten, dessen Nachname zufällig auf unseren Untermieter passte (Vorname, Geburtsdatum, Adresse etcetera hingegen nicht). Ich wage mir gar nicht vorzustellen, was die mit der Vorratsdatenspeicherung anfangen würden…

Für Leselustige:

Heute morgen hatten wir den Wecker der besonderen Art: Es klingelte um halb Sieben an der Tür, zwei Beamte und eine zivile Zeugin standen mit Durchsuchungsbefehl vor der Tür. Sie wollten nicht zu uns, sondern fragten nach unserem Untermieter – ein 18-jähriger Schüler, dessen Eltern wegziehen mussten, er wohnt bei uns um nicht mitten im Abi noch die Schule wechseln zu müssen.

Nun gut, ich ließ sie brav rein und führte sie zu ihm. Die Anschuldigung des Diebstahls eines iPhone 4S aus dem Büro einer Bäckerei in der Stadt fiel als erstes – die sehr kräftige Täterbeschreibung traf auf unseren eher schmalbrüstigen Untermieter nicht im Ansatz zu.

Doch offenbar führte die Beamten etwas anderes zu uns: Besagtes iPhone sei mit einer SIM-Karte aktiviert worden, die angeblich auf den Namen unseres Untermieters liefe, so habe es die Anfrage bei Vodafone ergeben. Unser Untermieter – sich seinerseits keiner Schuld bewusst, gab zu Protokoll er habe erst im September sich ein neues iPhone zugelegt und zu dieser Zeit den Vertrag auch gewechselt. Die alte PrePaid-Karte habe er mitsamt altem iPhone seinem Vater zurückgegeben.

Nun gut, man müsse die Räumlichkeiten trotzdem durchsuchen, teilten die Beamten mit und taten selbiges auch – und hinterließen dabei nicht mehr Chaos als sie vorfanden, wäre aber auch schwierig gewesen. Auf die Durchsuchung seiner Habseligkeiten in der Küche und dem Bad verzichteten sie, sicherlich dämmerte es bereits, dass dieser Junge wirklich der Falsche für den Job war. Etwa eine Stunde später verabschiedeten sie sich.

Noch immer im Glauben, jemand würde mit seiner alten SIM-Karte geklaute Handys aktivieren, war die Sorge natürlich groß bei unserem Mitbewohner. Doch bereits am Mittag hatte er nochmal mit der Polizei gesprochen: Denen war mittlerweile aufgefallen, dass besagte SIM-Karte ja gar nicht auf seinen Namen liefe und auch die weiteren Daten (abgesehen von der Stadt, in der die Tat geschah) nicht passten.

Ernsthaft???

Nun wurde auch die Nummer mitgeteilt, um die es sich handelte. Bereits am Morgen hatte mich gewundert, dass Vodafone Auskünfte zu einer Aldi-Talk-Karte erteilt, die doch eigentlich im E-Plus-Netz unterwegs ist. Und siehe da: Andere Telefonnummer, anderer Anbieter, alles anders.

Aber so ist das, wenn einem morgens um halb Sieben ein Durchsuchungsbefehl unter die Nase gehalten wird. Man denkt zwar nach, aber dann doch noch nicht so schnell oder weit.

Ein kalter Schauer läuft mir aber den Rücken runter, wenn ich mir vor diesem Hintergrund die aktuelle Diskussion um die anlasslosen Vorratsdatenspeicherung ins Gedächtnis rufe. Wenn bei Ermittlungen nicht einmal Telefonnummern, Vornamen und Geburtsdaten auseinander gehalten werden können – was stellen die denn dann mit den Vorratsdaten an?

Der Terrorist war in Kontakt mit jemandem Namens Storbeck

Wir benötigen alles aus der VDS zum Namen Storbeck!

Wenn die dann regelmäßig bei mir morgens um halb Sieben auf der Matte stehen, bekommen sie aber einen Zweitschlüssel. Dafür stehe ich nicht nochmal früh auf…